Fernlernen oder Fernlehre? Medienbasiertes Lehren/Lernen oder eLearning? Telelehre oder Technology Learning? Oder vielleicht doch webbasiertes Lehren und Lernen? Hhhhmmm – was für ein Begriffssalat… In Zeiten wie diesen sollten wir uns aber weniger damit beschäftigen, wie diese Lehr- und Lernformen bezeichnet werden oder ob ein Einsatz sinnvoll ist. Die aktuelle Situation erfordert insbesondere die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem WIE?

 

Die aktuelle Situation – verursacht durch das Coronavirus – bietet jetzt für den gesamten Bildungssektor Chancen, digitalen Unterricht und (kreative sowie flexible) Methoden nicht nur kurzfristig einzusetzen, sondern auch langfristig auf den Weg zu bringen. Die Zeit müssen wir ab sofort nutzen und uns vermehrt der didaktischen Aufbereitung von digitalen Medienangeboten widmen. Der Einsatz von und der Umgang mit Medien in digitalen Lernarrangements steht im Mittelpunkt – auch für das Sax4beginner-Team!

© Alexas, Pixabay

Wir stellen uns der Challenge „Analoger Musik- und Instrumentalunterricht über Nacht digital! Unmöglich?“ und sagen: So gut wie alles ist möglich, wenn man es nur will! Aus diesem Grund „digitalisieren“ wir weiter analoge Bereiche des Musik- und Instrumentalunterrichts, um unseren Schülerinnen und Schüler auch in Zeiten von „Social Distancing“ Unterricht anzubieten.

 

Sax4beginner „digitalisiert“ weiter

Digitale Medien und Methoden für das Lehren und Lernen sind mittlerweile schon Bestandteil im Unterricht. Diese können uns PädagogInnen helfen, zeitgemäßen Gruppenunterricht zu gestalten und eine datenschutzkonforme Kommunikation außerhalb des Unterrichts zu ermöglichen. So werden bei uns bereits seit geraumer Zeit digitale Plattformen für die Kommunikation mit Lernenden verwendet. Zusätzlich unterstützt eine interne, passwortgeschützte Cloud das Unterrichten, Üben und Musizieren.

Für das Home-Learning werden nun zusätzliche Livestreams und -konferenzen zu unterschiedlichen Themen und für unterschiedliche Erfahrungsniveaus angeboten:

  • Musiktheorie for Saxophonists – klingend/transponierend – what???
  • Musiktheoriekurs – aufbauend für alle MusiktheorieschülerInnen
  • Saxn’history
  • Jazz Harmonielehre – für alle Fortgeschrittenen
  • Basic’s beim Saxophonspiel – for beginners
  • Tonleiter und co – All Time Practice Tools

© Gerd Altmann, Pixabay

Zeitgemäße Bildung im Musik und Instrumentalunterricht

Der Einsatz von Livestreams reicht uns aber nicht für eine zeitgemäße Bildung. Inspirationen dafür – nicht nur für den Musik- und Instrumentalbereich – holen wir uns beispielsweise von den Bildungspunks, Connected Kids, dem EduMail für zeitgemäße Bildung von Nele Hirsch sowie der Forschungsstelle Appmusik.

Für eine zeitgemäße Bildung im Musik- und Instrumentalunterricht ist uns ein authentischer Unterricht und gelebte Vielfalt besonders wichtig. Wir möchten den Lernenden einen abwechslungsreichen und gut strukturierten Unterricht bieten. Auch die Lernziele müssen transparent sein und für die Zielgruppe vor allem erreichbar und schaffbar. Gerade in Situationen, wie wir sie aktuell vorfinden, ist in der Unterrichtskonzeption besonders wichtig, darüber nachzudenken, welche spezifischen Medien und Methoden eingesetzt werden, um möglichst viele Sinne ansprechen zu können. Dadurch können nämlich Inhalte und Informationen multikodal verarbeitet werden und die Behaltens-Wahrscheinlichkeit ist höher.

Flexibilität ist gefragt – nicht nur in Zeiten wie diesen. Daher verraten wir euch noch ein paar Beispiele mit Apps für kreatives Home-Learning:

  • iRealPro ermöglicht das Bereitstellen von Playbacks in einer beliebigen Tonart und angepassten Geschwindigkeit mittels WhatsApp, Cloud oder Mail. Fortgeschrittene können selbstständig Playbacks erstellen und bearbeiten. Es soll dabei das Gespür für die jeweilige Liedform, den Rhythmus etc. (Blues, 8-taktige Akkordfolgen, …) geschult werden. Entstandene Werke können mit der Lehrperson geteilt werden und im Rahmen einer Live-Konferenz diskutiert werden.
  • Wir wär’s mit einem neuen Klingelton? Mit dem Ringtone Maker kann ein Klingelton erstellt werden. Um dem Endprodukt auch einen gewissen Touch zu verleihen, können auch Anhaltspunkte dafür gegeben werden (z.B. Was macht eine starke Melodie aus? – Vogelgezwitscher, Bär, Melodiefluss etc.).
  • Endlich Zeit zu komponieren und eigene Rhythmen zu erstellen! Mit Apps als eigenständige Musikinstrumente können Aufträge zur Erstellung eigener Rhythmen oder zu Kompositionen mit Improvisation (Neue Musik etc.) oder auch ohne erteilt werden. Als „Icebreaker“ können RemixLive, Playground und Jambl dienen.
  • Zum Erlernen von Noten und zur Verbesserung von Blattspiel-Fähigkeiten kann Noteworks helfen.
  • Mit Tonestro können Lernerfolge von Tonleiterübungen, angeführten Kinderliedern, Etüden, Volksliedern etc. mit der Lehrperson geteilt werden. Es empfiehlt sich, ein Punkteminimum sowie einen Zeitpunkt, wann das Ergebnis geteilt werden soll, festzulegen.
  • Noteflight ist ein umfangreiches und nutzerInnenfreundliches Online-Notationsprogramm. SchülerInnen können von zu Hause aus komponieren und die integrierte Online-Bibliothek stellt bereits vorgefertigte Arrangements (kostenpflichtig) zu Verfügung.

© Omar Prestwich, Unsplash

Eine Sammlung mit über 100 digitalen Anwendungen für den Musik- und Kunstunterricht kann auch Kolleginnen und Kollegen helfen, das Home-Learning aber auch den Unterricht didaktisch und methodisch vielfältig und kreativ aufzubereiten.

 

Off- und Online im Musik- und Instrumentalunterricht

Die aktuelle Situation erfordert ausschließlich die Ausrichtung auf Home-Learning. Aber es wird auch eine Zeit danach geben und da lässt sich für uns der Präsenzunterricht in der realen Welt mit der physisch anwesenden Lehrkraft und den Lernenden bis dato noch nicht gänzlich durch die Onlinewelt ersetzen. Für eine zeitgemäße Bildung im Musik- und Instrumentalunterricht sind ästhetische Erfahrungen und der physisch-soziale Kontakt und Austausch nach wie vor von großer Bedeutung. Auch die Eigenschaften einiger musikalischer Bereiche (z.B. Klang, Atmung, Agogik etc.) lassen sich gegenwärtig noch nicht gänzlich über digitale Mittel übertragen, ohne dass die Qualität der Lernprozesse darunter leidet.

Nehmen wir das Home-Learning als Anlass, um uns Themen zu widmen, die auch gut online gelehrt und gelernt werden können, um im Präsenzunterricht dies dann wieder mit der Ästhetik verknüpfen zu können.

© Gerd Altmann, Pixabay

Change the challenge into a chance…und gestalte dein Lehren und Lernen bunter! Mit diesem Motto wünschen wir euch alles Gute für die kommende Zeit und vor allem: „bleibs gsund“!