Die Weihnachts- und Neujahrszeit ist vorüber. Nach einem Monat Pause hier am Appblog melden wir uns wieder mit neuen Themen zurück und möchten Euch wieder mit Informationen versorgen und interessante Entwicklungen aufzeigen. Wir hoffen auch Ihr, liebe Leserinnen und Leser, konntet Euch erholen und seid voller Optimismus und musikalischer Kreativität und Inspirationen ins 2020er Jahr gestartet. Apropos Inspiration: Sogenannte Interessens- bzw. Praxisgemeinschaften helfen zu inspirieren und sich mit Gleichgesinnten im selben Interessensbereich auszutauschen. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag mehr zu „Communities of Practice im Instrumentalunterricht“.

 

Musik- und Instrumentalunterricht zwischen Realität und Virtualität

Online-Lernen nimmt einen wichtigen Stellenwert im aktuellen Bildungsangebot ein. Virtuelle Welten öffnen sich auch stetig im Musik- und Instrumentalunterricht. Der Präsenzunterricht in der realen Welt mit der physisch anwesenden Lehrkraft kann bis dato allerdings noch nicht gänzlich durch die Virtualität ersetzt werden. Gerade in der Musik sind ästhetische Erfahrungen von besonderer Bedeutung. Einige musikalische Bereiche (z.B. Klang, Atmung, Agogik usw.) sind bisher noch nicht mit ihren gesamten Eigenschaften über digitale Mittel übertragbar, ohne dass die Qualität der Lernprozesse darunter leidet. Ausgehend davon bieten sich in der Musik- und Instrumentalpädagogik Bildungs- und Unterrichtskonzepte an, welche Präsenz- und Fernunterricht miteinander kombinieren. Zudem entstehen sogenannte Communities of Practice, in denen sich Schülerinnen und Schüler in- und außerhalb des Präsenzunterrichts bewegen. Was ist darunter genau zu verstehen?

Communities of Practice

Diese besondere Art von Gemeinschaft kennzeichnet sich nach Etienne Wenger (1998) durch die drei Merkmale eines gemeinsamen Interessensbereich, der Gemeinschaft sowie der Praxis.

Abb.1: Merkmale von Communities of Practice nach Etienne Wenger (1998) (erstellt von Jasmin Wallner)

Es eröffnen sich dadurch wiederum neue virtuelle und reale Welten im Lernprozess. Abseits vom Blasmusikverein und Laienchor können und werden zunehmend Informationen auf Online-Plattformen unter Gleichgesinnten ausgetauscht. Damit beschäftige ich mich auch in meiner Masterarbeit „Virtuelle Communities of Practice im Instrumentalunterricht – Was erwachsene Instrumentalschülerinnen und -schüler aus diesen Räumen mitnehmen und im formellen Instrumentalunterricht einbringen“. Diese verfasse ich an der Fachhochschule Burgenland im Studiengang Angewandtes Wissensmanagement.

Forschungsfragen und -design

Im Rahmen der Arbeit steht folgende zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt: Welche Potenziale bieten virtuelle und musikalische Communities of Practice für deren Mitglieder und den parallel stattfindenden formellen Instrumentalunterricht?“

Diese Hauptfrage wird durch die Unterfragen laut Abbildung 2 unterstützt.

Abb.2: Forschungsfragen (erstellt von Jasmin Wallner)

 

Die Beantwortung der Forschungsfrage(n) erfolgt anhand einer qualitativen Forschung. Wie die Abbildung 3 zeigt, werden die Daten aus drei Onlineforen, die auf Facebook als unterschiedlich große Gruppen geführt werden, erhoben. Es handelt sich dabei um die Facebookgruppen „saxophonistisches“, „SAXOPHONE“ und „Saxophon spielen lernen“. Diese weisen die Elemente einer Community of Practice auf. Allen gemeinsam ist das Interesse rund um das Instrument Saxophon. Andererseits werden drei Leitfadeninterviews mit erwachsenen Instrumentalschülerinnen und -schülern geführt, um über die Daten auch die Brücke zum formellen Instrumentalunterricht bauen zu können. Die Daten werden anschließend interpretativ miteinander verbunden und verglichen.

Abb.3: Datenerhebung (erstellt von Jasmin Wallner)

…und das Endprodukt?

Das Ziel dieser Arbeit soll den persönlichen Nutzen, den erwachsene Instrumentalschülerinnen und -schüler aus virtuellen Communities of Practice ziehen, aufzeigen. Auch soll herausgefunden werden, ob durch die Teilnahme an solchen virtuellen Gemeinschaften Veränderungen beim Üben und formellen Musiklernen erkennbar sind. Dabei steht die Perspektive der Lernenden im Mittelpunkt. Die Ergebnisse spiegeln einerseits Erfahrungen, die Musikerinnen und Musiker in den Communities of Practice machen, wider. Diese betten sich auch in die musikalische Entwicklung sowie den persönlichen (musikalischen) Netzwerken ein. Andererseits ist es für Instrumentallehrkräfte wichtig, dass sie die Perspektive ihrer Schülerinnen und Schüler kennen und auch über die Teilnahme, das Erleben und Verhalten in unterschiedlichen Lernwelten Bescheid wissen. Nur so können sie mit und durch neue (Lehr-)Möglichkeiten effizient unterrichten und die Schülerinnen und Schüler beim Erlernen eines Instruments optimal unterstützen.

 

Damit also ein erster Einblick in „Communities of Practice im Instrumentalunterricht“ sowie ein Überblick über meine Masterarbeit. Bestimmt fallen Ihnen jetzt Communities of Practice ein, an denen Sie bereits teilnehmen. Vielleicht haben Sie jetzt aber auch Lust bekommen, weiteren Praxisgemeinschaften beizuwohnen? Dann nichts wie los: Treten Sie den Facebookgruppen bei oder machen Sie sich auf die Suche nach weiteren (musikalischen) Communities of Practice – on- oder offline. Teilen Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen mit Gleichgesinnten und tragen Sie so zur Verbesserung der Praxis bei.

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Abbildung 1: Merkmale von Communities of Practice nach Etienne Wenger (1998) (erstellt von Jasmin Wallner)
Abbildung 2: Forschungsfragen (erstellt von Jasmin Wallner)
Abbildung 3: Datenerhebung (erstellt von Jasmin Wallner)